
Catherine Jinks: Die Idee des Axis-Instituts ist während eines Gesprächs entstanden, das ich vor einigen Jahren mit meinem Bruder und meinem Ehemann geführt habe. Wir betrachteten gerade eine Actionfigur meines Neffen, Professor Gangrene, woraufhin mein Mann scherzhaft sagte: "Ich würde wirklich gern wissen, wo diese Bösewichte ausgebildet werden!" Mein Bruder antwortete, ohne lange nachzudenken: "An der Hochschule des Bösen, wo sonst?" 
C.J.: Genau. Mein Bruder begann zu erklären, dass an einer solchen Hochschule zwei Disziplinen des Bösen gelehrt würden – die reine Lehre und die angewandte. In der "Theorie des Bösen" würde man die Grundlagen lernen, während die "Anwendung des Bösen" die praktischen Aspekte abdeckte. Für Letztere würden natürlich viel mehr finanzielle Mittel bereitgestellt, doch die Lehrer würden sich ständig darüber beklagen, dass viel mehr Studenten in die "Theorie des Bösen" gingen. Fragen Sie mich nicht, wie er darauf gekommen ist. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass mein Bruder an einer echten Universität Psychologie lehrt.
C.J.: Anfangs nicht, nein. Cadel hat zu Beginn der Geschichte keinen moralischen Kompass, und genau das ist sein Problem. Nachdem er herausfindet, wer – und vor allem was – sein richtiger Vater ist, hat er keine Ahnung, was richtig und was falsch ist. Vor allem wenn sich diese Begriffe auf ihn beziehen. Erst als er Sonja trifft und beginnt, Dr. Roth und seinen Vater in Frage zu stellen, beginnt er zu verstehen, dass man die Welt auch aus einem anderen – sehr viel besseren – Blickwinkel betrachten kann.
C.J.: Nein, überhaupt nicht. Ich befürchte, ich habe keinen besonders ausgeprägten technischen Sachverstand. Diesem Thema
konnte ich mich nur nähern, indem ich mich auf die Fähigkeiten besann, die ich als Journalistin gelernt habe: nämlich Recherche, Recherche und nochmals Recherche. Zum Glück habe ich jemanden kennen gelernt, der ein richtiges Computer- und Mathegenie ist. Er hat mir sehr bei Teufliches Team geholfen, der Fortsetzung von Teuflisches Genie.
C.J.: Ganz egal, ob man ein Bild malt oder einen Text schreibt: Neue Welten zu erfinden ist nichts anderes als ein Fluchtmechanismus. Es ist ein Weg, damit umzugehen, dass man sich nicht sonderlich für die Realität interessiert. Über die Jahre hinweg hat sich an meiner Motivation nicht viel geändert. Im Grunde genommen versuche ich, jemand anderes zu werden, in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort. Es ist eine Technik, die immer noch ziemlich gut funktioniert. Schreiben ist billiger als eine Therapie. Außerdem verdiene ich damit auch noch meinen Lebensunterhalt.
C.J.: Persönlich haben sie mich ganz sicher bereichert. Allerdings würde ich nun wirklich nicht behaupten, dass das Schreiben von Romanen eine Lizenz zum Gelddrucken ist …
C.J.:Ich muss zugeben, dass es mich selbst erstaunt hat, wer sich alles für Teuflisches Genie interessiert. Bei einer der ersten Lesungen aus dem Buch stand ein aufgeweckter Zehnjähriger vor mir, der sich vor Begeisterung kaum einkriegen konnte. Ein paar Tage später erzählten mir zwei Freundinnen, beide um die vierzig und Hausfrauen, dass sie den Roman toll fanden. Ich glaube, es ist einfacher zu sagen, für wen das Buch meiner Meinung nach nichts ist: Für Leser unter acht Jahren scheint es mir ein bisschen zu heftig zu sein. Davon abgesehen hat das letzte Jahr gezeigt, dass Männer und Frauen jeden Alters Spaß an dem Buch haben. Vielleicht, weil sie ungewöhnliche Ideen mögen und es zu schätzen wissen, wenn ihnen die Lektüre ein bisschen Konzentration abverlangt.
C.J.:Ja, ich schreibe tatsächlich für fast jede Altersgruppe, und es ist mir wichtig, das jeweilige Publikum und seine Wünsche im Auge zu behalten. Ich würde Wörter wie Initiation oder Disproportionalität nicht in einem Buch für Elfjährige verwenden. Mir ist auch bewusst, dass mir ein jüngeres Publikum, wenn es um abgefahrene Ideen geht, fast überall hin folgt, während Erwachsene es mögen, wenn die Dinge einigermaßen in der Realität verankert sind. Dafür haben Jugendliche weniger Geduld, was beispielsweise Erzählbögen betrifft. Auf der anderen Seite gibt es bestimmte Grundregeln für mich, ganz egal, wer das Buch später einmal lesen soll: Ich tauche immer so tief wie möglich in die Welt ein, in der meine Geschichte spielt. Die Figuren und Schauplätze müssen interessant und glaubhaft sein. Egal, ob die Geschichte im Jerusalem des 12. Jahrhunderts spielt oder in einem Raumschiff zweitausend Jahre in der Zukunft.
C.J.:Ich höre immer Musik, wenn ich schreibe. Seltsamerweise war mein Soundtrack für Teuflisches Genie aber nicht besonders Angst einflößend: The Boys of Summer von Don Henley. Falls das jetzt ein bisschen uncool klingt: Ich habe Powderfinger, eine aktuelle australische Band, gehört, als ich Teuflisches Team schrieb. Und für den dritten Teil werde ich mir etwas völlig anderes auflegen.
C.J.: Ich werde einen Teufel tun, an dieser Stelle irgendetwas Bedeutsames zu verraten. Ich kann Ihnen aber versichern, dass Thaddeus Roth wieder auftauchen wird, genau wie Sonja, Gazo, Vadi, Alias, and Niobe. Es wird auch eine Menge neuer Figuren geben, einschließlich einer Gruppe jugendlicher Genies. Die sind nicht wirklich böse, aber auch nicht gerade gesetzestreue Bürger. Außerdem erzählt der Roman davon, wie der arme Cadel seinen Platz in der Welt findet, nachdem er so lange in der lieblosen Vorhölle geschmort hat ...
C.J.:Dr. Thaddeus ist die Figur, die ich am meisten mag – ich liebe sexy Superschurken!
C.J.:Ich finde ihn sogar sehr sexy, weil er elegant ist, ein komplexer Charakter, geistreich und gerissen.